Europa muss gelebt werden!

Europa muss gelebt werden!

30 Jahre Schüleraustausch Pécs - Berchtesgaden

Im Rahmen der langjährigen Schulpartnerschaft zwischen der CJD-Realschule in Berchtesgaden und der Valéria Koch Általános Iskola in Pécs fand vom 28. September bis zum 5. Oktober 2023 der diesjährige Gegenbesuch der Berchtesgadener Schülerinnen und Schüler in Ungarn statt. Dieses Treffen markierte nicht nur eine Woche des interkulturellen Austauschs, sondern auch die dortigen Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum dieser einzigartigen Beziehung, wie sie bereits im Sommer in Berchtesgaden stattfanden.

Der Festakt wurde durch die Direktorin Ágnes Amreinné Pesti eröffnet. Sie bedankte sich ausdrücklich für die langjährige und von tiefer Freundschaft geprägte Schulpartnerschaft und hob hervor, dass die ungarische Schule schon einige Schulpartnerschaften mit ausländischen Schulen hatte. Keine jedoch habe eine so lange und erfolgreiche Geschichte.

Irene Nagy-Heinemann, die den ersten Austausch 1993 begleitet hatte, erzählte die Anekdote, dass die ungarischen Schülerinnen und Schüler am Tag ihrer Abreise vom ungarischen Busunternehmen „vergessen wurden“ – und somit einen ganzen Tag länger bei ihren Gästen in Berchtesgaden bleiben durften.

Frau Réka Ritecz, die verantwortliche Lehrkraft für den Schüleraustausch in Pécs, hob in ihrer Dankesrede hervor, dass sie sich insbesondere über das gelebte Brauchtum im Berchtesgadener Land freue, welches sie auf ihren vielen Austauschbegegnungen erleben durfte. Viele Bräuche, wie das Musizieren und das Tragen der Tracht, sei auch Teil der donauschwäbischen Kultur in Fünfkirchen, wie Pécs auf Deutsch heißt!

Anschließend wurde ein Grußwort von Wolfgang Greiner, dem Schulleiter der Realschule in Berchtesgaden, verlesen. Darin betonte er die Bedeutung der 30-jährigen Partnerschaft zwischen den Schulen und hob hervor, dass der ungarisch-deutsche Schüleraustausch nicht nur persönliche Beziehungen fördert, sondern auch Freundschaften knüpft, kulturelles Verständnis vertieft und Zusammengehörigkeit pflegt. Greiner würdigte die Gründer, die engagierten Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler sowie die gastfreundlichen Familien, die diese Partnerschaft über drei Jahrzehnte ermöglicht haben.

Michael Storch, langjähriger Verantwortlicher für den Schüleraustausch, gab einen geschichtlichen Rückblick und verdeutlichte die politischen Hintergründe dieser Partnerschaft. Von der Gründung des Bayerischen Jugendrings 1947 bis zur Öffnung des Eisernen Vorhangs im Juni 1989 und dem Mauerfall im November desselben Jahres reichte der Bogen. Das Schüleraustauschprogramm wurde in seinen Anfängen als ein probates Mittel betrachtet, um das Image Deutschlands in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu verbessern und Grenzen abzubauen.

Seine Ziele, darunter die Förderung der persönlichen Entwicklung, das Schärfen von Verantwortung und Problembewusstsein sowie das Akzeptieren fremder Verhaltensweisen, wurden durch die Partnerschaft zwischen Pécs und Berchtesgaden erfolgreich umgesetzt. Über 600 Schülerinnen und Schüler haben in den letzten 30 Jahren nicht nur Ländergrenzen, sondern auch kulturelle Unterschiede überwunden und gemeinsam eine gelebte europäische Erfahrung geschaffen.

Der Schüleraustausch zwischen Pécs und Berchtesgaden ist somit nicht nur eine Bildungsinitiative, sondern auch eine lebendige Brücke zwischen Menschen verschiedener Nationen – eine Brücke, die über drei Jahrzehnte hinweg erfolgreich aufrechterhalten wurde.

Weiterer Artikel hierzu:  Berchtesgardener Anzeiger